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FilmDokument 43

DER RHEIN IN VERGANGENHEIT UND GEGENWART (D 1922) 
25. März 2001, Arsenal 1
Was uns heute als ein etwas betulicher Film über die Kulturgeschichte des Rheins vorkommt, war 1922 nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Ruhrbesetzung eine hochpolitische emotional-patriotische Angelegenheit. Die Ufa selbst charakterisierte ihren abendfüllenden Kulturfilm DER RHEIN IN VERGANGENHEIT UND GEGENWART als national-historisches Werk. "Eine schöne und große nationale Tat" lobte der Kinematograph und der Berliner Lokal-Anzeiger sprach von einem "wahrhaft nationalen Film". Als Blücher an der Spitze des preußischen Heeres gezeigt wurde, wie er bei Kaub den Rhein überquerte, brach das Premierenpublikum in frenetischen Beifall aus. In Berlin blieb der Film ein Vierteljahr lang auf dem Programm. In den besetzten Rheingebieten wurde er wegen seines "für Frankreich beleidigenden Inhaltes" verboten. In Chemnitz erzwangen kommunistische Proteste seine Absetzung.
DER RHEIN IN VERGANGENHEIT UND GEGENWART dokumentiert den Lauf des Flusses von der Quelle bis zur Mündung. Neben Landschafts- und Städtebildern versuchte die Ufa, auch die geschichtlichen, geographischen und kulturellen Bedeutungen des Rheins wiederzugeben. Dokumentarische Aufnahmen verbinden sich so mit Kartentricks und Spielszenen zu einem typischen, volkstümlich-belehrenden Kulturfilm. 1922 aber hatten viele Bilder und Szenen, die uns heute belanglos vorkommen, einen hohen Bedeutungsgehalt, der von allen sofort erfasst wurde. Hauptdarsteller und Held dieses Films ist in der Tat der deutsche Rhein und die damit verbundenen Emotionen und vaterländischen Gefühle. In DER RHEIN IN VERGANGENHEIT UND GEGENWART lebe "das deutsche Gemüt in seiner ganzen Tiefe", notierte ein Kritiker. Der Rheinfilm der Ufa ist auch ein Film über das deutsche Wesen und die deutsche Stimmungslage in den Jahren nach Ende des Weltkriegs.

In Zusammenarbeit mit dem DFG-Projekt "Geschichte und Ästhetik des dokumentarischen Films in Deutschland 1918 bis 1933"

Einführung: Klaus Kreimeier

DER RHEIN IN VERGANGENHEIT UND GEGENWART (D 1922)

Kopie: Bundesarchiv-Filmarchiv
Dokumentation dieser Veranstaltung:
► Klaus Kreimeier: Geographisch-politisches Laufbild. DER RHEIN IN VERGANGENHEIT UND GEGENWART (D 1922, Regie: Felix Lampe, Walter Zürn). In: Filmblatt, 7. Jahrgang, Nr. 19/20, Sommer/Herbst 2002, S. 46-56